Hero image

Foto: Spreewald Info

Wendisches Osterreiten im Spreewald

Am Ostersonntag setzt sich in Zerkwitz eine stille Reiterprozession in Bewegung: Rund 30 Frauen und Männer, festlich in Schwarz-Weiß-Trachten und Zylinder gekleidet, reiten hoch zu Ross durch die Dörfer des Zerkwitzer Pfarrsprengels. Begleitet von vier Osterfahnen mit rotem Kreuz auf weißem Grund und einem grünen Friedenskreuz ziehen sie die frohe Botschaft von Jesus’ Auferstehung.

An sechs Stationen – Kleeden, Klein Beuchow, Groß Beuchow, Klein Radden, Ragow und Krimnitz – halten sie inne: Evangeliumslesungen, Gebete und das Verteilen von Hoffnungssträußchen aus Buchsbaum ersetzen Gesang, denn die Niederlausitzer Tradition kennt ein stilles Prozessionsreiten.

Nach fast 20 Kilometern endet der Zug wieder in Zerkwitz, wo Pfarrer und Gemeinde die Fahnen segnen. Besucher ab 14 Jahren sind zum Mitreiten oder Begleiten herzlich willkommen.

Vorbereitung und Ausstattung

Tage vor Ostern treffen sich Reiter, Helfer und der Kirchenvorstand zur Vorbereitung. Wer kein eigenes Pferd hat, leiht sich eines aus der Region und gewöhnt es schon vorab ans Gekraule und die Festtagsdekoration. Zaumzeug, Sattel und Augenklappe werden sorgfältig geputzt und mit frischen Buchsbaumzweigen – den Hoffnungssträußchen – geschmückt.

An den vier Osterfahnen mit rotem Kreuz auf weißem Grund erkennt man die Osterreiter schon von weitem. Zum wendischen Osterreiten wird ein grünes Kreuz mitgeführt, das für Frieden und Erlösung steht. Begehrt sind die Hoffnungssträußchen aus Buchsbaum. Sie werden an die Besucher längs der Strecke verteilt.

Nach dem Frühgottesdienst werden die Reiter an der evangelischen Kirche in Zerkwitz erwartet.

Beim mehrmaligen Reiten um die Kirche formiert sich die Reiterschar mit den vier Fahnenträgern und der Kreuzreiterin in der Mitte des Zuges. Alle anderen zu Pferde erhalten grüne Hoffnungssträußchen zum Weitergeben. Die Reiter und Gäste der Kirche werden gesegnet.

Route und Ablauf

Die Prozession beginnt unmittelbar nach dem Frühgottesdienst in der evangelischen Kirche Zerkwitz. Ohne Gesang – im stillen Gedenken – führt der Zug auf gepflasterten Dorfstraßen und Waldwegen zunächst nach Kleeden, dann durch Klein Beuchow und Groß Beuchow. In jedem Ort verlesen Gemeindemitglieder kurze Passagen aus dem Evangelium, sprechen Gebete und überreichen Hoffnungssträußchen an die Zuschauer.

Über die Autobahnbrücke erreicht die Gruppe Klein Radden und Rastplatz Ragow, wo ein Bläserchor aufspielt und Einheimische zu warmem Tee einladen. In Krimnitz blickt man ein letztes Mal in Andacht auf die Felder, bevor es zurück nach Zerkwitz geht. Wer möchte, begleitet die Reiter – rastet an kleinen Stationen oder sitzt hoch zu Ross mit. Am Ziel segnet der Pfarrer die Fahnen und verteilt kleine Osterkrüge.