Foto: Spreewald Info
Woher kommen die Sorben und Wenden?
Hier im Spreewald landest du auf den Spuren einer der ältesten Kulturen Mitteleuropas: Bereits im 6. Jahrhundert machten sich die Vorfahren der Sorben und Wenden auf den Weg von den Ufern von Oder und Dnepr gen Westen.
Rund 20 Stämme zogen damals durch das Land zwischen Ostsee und Erzgebirge und legten in etwa 40 000 km² den Grundstein für eine lebendige Kultur, die du heute noch in Trachten, Festen und unserer zweisprachigen Welt entdeckst.
Weißt du, woher die älteste Erwähnung unserer Vorfahren stammt? Im Jahr 631 hielt der fränkische Chronist Fredegar zum ersten Mal einen Sorbenfürsten namens Derwan fest – Herrscher eines Stammes, den man „Surbi“ nannte und der zwischen Saale und Mulde lebte. Genau von diesen „Surbi“ leitet sich auch der Name Sorben ab.
Doch es gab noch mehr Stämme: Die „Lusici“ in der Niederlausitz und die „Milceni“ im Gebiet um das heutige Bautzen. Erst später fasste man ihre Nachfahren gemeinsam unter dem Dachbegriff Sorben zusammen.
Und wie kommt das Wort „Wenden“ ins Spiel? Im frühen Mittelalter schrieben römische Beamte aus Versehen „Vendi“ oder „Venethi“ nieder – ein Name eines nichtslawischen Volks in Oberitalien. Dieses Missverständnis wurde zum Sammelbegriff für alle slawischen Gruppen ohne eigenen Staat – darunter auch die Sorben. So klebte bald unser Doppelnamen Sorben/Wenden an uns dran.
Was unterscheidet Sorben & Wenden
Wenn du durch die Lausitz streifst, stolperst du schnell über die Namen „Sorben“ und „Wenden“ – beides Bezeichnungen für slawische Volksgruppen, die hier zwischen Ober- und Niederlausitz zu Hause sind. Zwar werden die Begriffe oft durcheinandergeworfen, doch dahinter stecken feine Unterschiede:
Sorben ist der moderne Ausdruck, den die Minderheit selbst am liebsten nutzt.
Wenden klingt älter und wurde historisch für verschiedene slawische Stämme gebraucht. In manchem Spreewalddorf hört man noch heute stolz: „Hier sind wir Wenden!“
Offiziell sind die Sorben in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Organisationen wie die Domowina oder das Sorbische Institut sorgen dafür, dass Sprache, Trachten, Feste und Bräuche nicht in Vergessenheit geraten. Und wenn du nächstes Mal an einem zweisprachigen Ortsschild vorbeiläufst, weißt du, dass dahinter eine lebendige Kultur steckt, die tief mit der Landschaft verwurzelt ist.
Sorben
Wenn du in der Lausitz unterwegs bist, triffst du auf eine lebendige westslawische Minderheit: die Sorben. Ihr Siedlungsgebiet reicht von Sachsen bis Brandenburg, wo in Sachsen Obersorbisch und in Brandenburg Niedersorbisch gesprochen wird – zwei Schwesternsprachen aus der westslawischen Familie.
Bei Trachtenumzügen und dem wendischen Osterreiten siehst du, wie pulsierend die Kultur ist: knallbunte Kostüme, kunstvoll verzierte Ostereier und Bräuche, die seit Jahrhunderten gepflegt werden. Als offiziell anerkannte nationale Minderheit haben die Sorben das Recht, in ihrer Muttersprache zu lernen und ihre Feste selbst zu gestalten.
Verbände wie die Domowina und das Sorbische Institut sorgen dafür, dass Sprache, Lieder und Geschichten nicht in Vergessenheit geraten. Wenn du an einer zweisprachigen Ortstafel stehst, spürst du sofort die tiefe Verbindung zwischen Land und Leuten.
Wenden
Kennst du den Unterschied zwischen „Sorben“ und „Wenden“? In der Lausitz steckt eine spannende Sprach- und Begriffsgeschichte dahinter:
Früher dienten mittelalterliche Chronisten „Wenden“ als Sammelbegriff für allerlei westslawische Stämme in Mitteleuropa – und in der Lausitz nannte man die Sorben einfach Wenden. Bis heute hörst du in der Niederlausitz eher von den „Wenden“, während in der Oberlausitz der moderne Begriff „Sorben“ dominiert.
Sprache spielt hier eine große Rolle: Die Wenden in der Niederlausitz sprechen Niedersorbisch, eine von zwei sorbischen Sprachen (die andere ist Obersorbisch). Beide gehören zur westslawischen Sprachfamilie und verbinden die Leute über Dorfgrenzen und Fließe hinweg.
Natürlich gibt es regionale Bräuche und Dialekt-Würze, die in jedem Dorf ein bisschen anders klingen. Trotzdem teilt man hier Trachten, Feste und Traditionen – letztlich sind Wenden und Sorben Teil derselben lebendigen Kultur. Wenn du also das nächste Mal eine zweisprachige Ortstafel siehst oder an einem sorbischen Fest teilnimmst, weißt du genau, welche Geschichte dahintersteckt.