Foto: Spreewald Info
Waleien – das traditionelle Eierrollen
Kein Osterfest ohne Waleien: Im Spreewald schaufeln Familien und Gruppen rund um Lübben, Lehde und Burg zu Ostern eine abschüssige Bahn aus Lehm oder Sand – die Walka – auf. Dann legen Kinder und Erwachsene ihre handbemalten Eier am oberen Rand an und rollen sie los: Trifft das Ei eines Mitspielers, darf man es behalten und erhält als Gewinn ein Bonbon oder einen Cent.
Am Ende, wenn alle Eier in der Grube liegen, endet das bunte Treiben. Waleien, sorbisch „Walkowanje“, gilt als Fruchtbarkeitszauber, mit dem man Wachstum und Gedeihen der Felder heraufbeschwört. Heute locken öffentliche Walei-Termine am Schlossinsel-Ufer in Lübben oder im Freilandmuseum Lehde Besucher jeden Alters an.
Bedeutung und Ursprung
Waleien ist im Spreewald mehr als ein Kinderspiel: Es erinnert an alte Fruchtbarkeitsriten, die mit dem Osterfest verschmolzen. Schon im Mittelalter rollten Sorben und Wenden bunt bemalte Eier über Böschungen, um den Winter endgültig zu vertreiben und die Felder zu segnen.
Die sorbische Bezeichnung „Walkowanje“ spiegelt die tiefe Verbundenheit mit der Natur wider: Das Kullern der Eier symbolisiert das Erwachen der Landschaft und stärkt den Glauben an gute Ernte. Bis heute wird das Waleien als lebendiger Teil der sorbischen Osternacht gepflegt und in Kindergärten, Vereinen und öffentlichen Veranstaltungen weitergegeben.
Ablauf und Spielregeln
Fürs Waleien brauchst du gekochte, in sorbischer Technik bunt verzierte Ostereier, ein paar Bonbons oder Centstücke als Preis und eine Bahn („Walka“) von etwa zwei bis drei Metern Länge und einem Meter Breite.
Die Bahn beginnt leicht abschüssig – am hinteren Ende etwa 30–40 cm tief. Jeder Spieler legt sein Ei an den oberen Rand und versucht nun, mit seinem rollenden Ei das bereits abgelegte Ei des Vorgängers zu treffen. Gelingt ein Treffer, darf man das getroffene Ei und einen Bonbon einpacken und erneut antreten. Wer verfehlt, verliert sein Ei an die Bahn. Gespielt wird, bis alle Eier in der Grube liegen. Tipp: Jedes Ei zuvor unterschreiben oder farblich kennzeichnen, damit es hinterher kein Durcheinander gibt!