Foto: Spreewald Info
Zweisprachiger Spreewald
Zweisprachige Ortseingangsschilder und Wegweiser verraten dir sofort, dass hier nicht nur Deutsch zuhause ist – hier spricht man Sorbisch (Wendisch). Du siehst es an den Doppelnamen: Lübben wird zu Lubin, Burg zu Borkowy und so geht es in vielen Dörfern weiter.
Weil der Spreewald so nah an Polen liegt, könntest du glatt auf Polnisch tippen. Tatsächlich ist Sorbisch aber eine eigenständige Sprache. Es gehört zur westslawischen Sprachfamilie und klingt daher ähnlich wie Polnisch oder Tschechisch – aber bleibt doch ganz unverwechselbar sorbisch. So wird jeder Wegweiser zum kleinen Sprachabenteuer.
Sorbisch und Deutsch
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) verlor die sorbische Gemeinschaft fast die Hälfte ihrer Mitglieder, was ihr Sprachgebiet drastisch schrumpfen ließ. Mit der Industrialisierung nach 1871 verschwand Niedersorbisch im Alltag, und Deutsch wurde zur Schul- und Amtssprache. Trotzdem überlebte das Sorbische – heute sprechen es nur noch etwa 7 000 Menschen in der Niederlausitz, meist ältere Generationen. Es gibt zwei Varianten: Obersorbisch in Sachsen und Niedersorbisch (Wendisch) in Brandenburg, beide mit eigener Standardschrift seit dem 16. Jahrhundert.
Moderne Förderung
In der DDR entstanden viele Kulturvereine, die bis heute Trachten, Feste und Sprache lebendig halten. 1952 eröffnete in Cottbus ein niedersorbisches Gymnasium, 1956 starteten die ersten Rundfunksendungen, seit 1992 läuft das TV-Magazin „Łužyca“. 1991 gründete sich der Sorbische Schulverein, und 1998 folgte die erste zweisprachige Kita. Heute gibt es 38 solcher Kitas in der Lausitz. Ehrenamtliche in Vereinen, Schulen und Medien (Radio, TV, Zeitschriften wie „Nowy Casnik“) sorgen dafür, dass Sorbisch wächst. Das Sorben/Wenden-Gesetz von 1994 erklärt: Sorbisch ist zu schätzen, zu fördern und frei zu gebrauchen.
Beispiele für den feinen Unterschied
deutsch: Berg
obersorbisch: hora
niedersorbisch: gora
deutsch: Mund
obersorbisch: huba
niedersorbisch: guba
deutsch: dem Vater
obersorbisch: nanej
niedersorbisch: nanoju