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Foto: Spreewald Info

Unterspreewald

Der Unterspreewald ist der schmale, nördliche Bereich des UNESCO-Biosphärenreservats Spreewald. Auf nur etwa 10 km Länge und 2 km Breite zwischen Leibsch, Krausnick, Hartmannsdorf und Schlepzig entfaltet sich ein Mosaik aus stillen Fließarmen, Binnendünen und Erlenbruchwäldern. Dieses Binnendelta entstand vor rund 12 000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit, als die Spree ihre Kanäle in eine weitläufige Auenlandschaft verzweigte.

Trotz seiner geringen Ausdehnung ist der Unterspreewald das zweitgrößte FFH-Gebiet im Reservat und öffnet sich bei Lübben in den wasserreichen Oberspreewald.

Geografie und Entstehung

Geologisch liegt der Unterspreewald im Baruther Urstromtal. Während der Oberspreewald flach und weitläufig ist, verengt sich das FFH-Gebiet Unterspreewald nördlich von Lübben auf einen Korridor aus Auwiesen, Streuobstwiesen und Binnendünen.

Das Gelände fällt kaum ab, sodass die Spreearme nur wenige Dezimeter tief eingeschnitten sind. Früh­mittelalterliche Rodungen und erste Stauanlagen des 12. Jahrhunderts formten das Kanalsystem weiter, das heute aus Hunderten kleiner Fließe besteht und höchsten ökologischen Wert besitzt.

Flora und Fauna

Im Unterspreewald dominieren Erlen-Eschenwälder und Eichen-Hainbuchen-Bestände, ergänzt durch seltene Erlenbruch- und Niederungswälder. Auf rund 1484 ha Waldfläche laufen im Rahmen des FFH-Managements Pflegepläne, um diese typischen Niedermoor- und Auenwälder zu erhalten.

Zwischen den Fließen finden sich Rohrglanzgraswiesen, Pfeifengras­fluren und Schlankseggenrieden, in denen Laichkraut und Igelkolben gedeihen.

Der Unterspreewald ist bedeutendes Reproduktionsgebiet für Fischotter und Biber, und auch seltene Arten wie die Bauchige Windelschnecke und die Sommerknotenblume fühlen sich hier wohl.

FFH: Fauna-Flora-Habitat-Gebiet

Schutz und Management

Seit 1991 ist der gesamte Spreewald UNESCO-Biosphärenreservat, mit dem Ziel, Naturschutz und nachhaltige Regionalentwicklung zu verbinden.

Der Unterspreewald ist in die strenge Kern- und Pflegezone (I & II) eingebettet, wohingegen der schmale Flussstreifen westlich Neu Lübbenau als Entwicklungszone (III) genutzt wird.

Die 2016 abgeschlossene FFH-Managementplanung definiert konkrete Pflegemaßnahmen für Wälder, Wiesen und Fließgewässer, um Artenvielfalt und Wasserhaushalt langfristig zu sichern.

Dörfer, Kultur und Erreichbarkeit

Im Unterspreewald liegen idyllische Dörfer mit jahrhundertealter Geschichte: Schlepzig, erstmals im 10. Jahrhundert erwähnt, begeistert mit seinem Weidendom und Fachwerkkirche; die Gemeinde Unterspreewald (Leibsch, Neu Lübbenau, Neuendorf am See) entstand 2001 durch Zusammenschluss historischer Fischerdörfer.

Alle Orte sind per Themenkahnfahrten (z. B. „Vom Ober- in den Unterspreewald“) und über den Gurkenradweg vernetzt, dazu führen gut ausgebaute Rad- und Wanderwege mitten ins grüne Labyrinth.