Annemarie Schulz Haus in Burg im Spreewald

Foto: Spreewald-Info.de

Spreewaldhaus in Blockbohlenbauweise

Im Grünen Labyrinth des Spreewalds fallen sie sofort ins Auge: schmale Blockbohlenhäuser mit dunkel gestrichenen Wänden auf Findlings-Fundamenten und Reetdächern. Diese Bauweise ging aus den sumpfigen Böden der Auenlandschaft hervor: Holzreste wandelten die Wenden im Mittelalter zu Blockbohlen, die sie auf glazialen Findlingen stapelten, um Feuchtigkeit und Setzungen zu vermeiden. Die markante Dachneigung von rund 50° lässt Regen und Schnee schnell ablaufen und schützt das Innere vor Nässe. Im rechteckigen Grundriss zeigen sich kaum Zierelemente – außen schlicht, innen robust und funktional.

Dörfer wie Lehde, Burg-Kauper und Leipe wirken wie Freilichtmuseen, in denen jedes Haus Geschichte und ökologische Bauweise erzählt. Heute verbinden restaurierte Spreewaldhäuser Denkmalpflege, zeitgemäßen Komfort und nachhaltiges Bauen. Sie sind Zeugen wendischer Handwerkskunst und prägen bis heute das Bild dieser einzigartigen Kulturlandschaft.

Spreewaldhaus am Wasser in Lehde

Form, Funktion und Bedeutung

Die Form des Spreewaldhauses folgt klarer Logik: Auf engem Grundriss steht das Haus quer zum Hauptwind, sodass kurze Traufseiten den Druck mindern und lange Giebelseiten Licht und Luft zulassen. Die Blockbohlenwände speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam ab. Weit herausragende Traufen schützen Holz und Lehmputz vor Starkregen.

Das Fehlen üppiger Fensterfronten und Zierleisten unterstreicht die Funktionalität: Jedes Detail dient dem Witterungsschutz oder der Luftzirkulation. Auf schmalen Findlingen gegründet, bleibt das Bauwerk beweglich genug, um Boden­setzungen auszugleichen, und trotzt stehender Nässe. So entstand eine Architektur, bei der Tradition und Technik zu einem neuen Ganzen verschmelzen und der Spreewald bis heute seinen typischen Charme verdankt.

Brunnen am Annemarie Schulz Haus in Burg

Konstruktion und Materialien

Kernstück ist der Blockbohlenbau aus heimischer Kiefer oder Fichte: Bis zu 15 Zentimeter starke Bohlen werden stumpf miteinander verzapft. Darauf folgt das Reetdach aus Kolbenschilfrohr, das in Stufenverlegung eine geschlossene Hülle bildet. Die 50° steile Dachneigung sorgt dafür, dass Niederschlag sofort abperlt, und das dicke Schilf wirkt zusätzlich als natürlicher Dämmstoff.

Die traditionelle Montage erfordert kein Metall, statt Schrauben kommen Holznägel zum Einsatz. Im Inneren schützt ein Lehm-Innenputz vor Feuchtigkeit und reguliert das Raumklima. Fenster und Türen sind meist einfach verglast und mit vorspringenden Vordächern versehen. Dieses Zusammenspiel ökologischer Materialien schafft ein energieeffizientes Holzhaus, das Jahrhunderte Zeit und Elemente überdauert.

Blockbohlen Bauweise beim Spreewaldhaus. 2 weiße Fenster in das Holzhaus eingearbeitet.

Regionale Verbreitung und heutige Nutzung

Im Unter- und Oberspreewald prägen Spreewaldhäuser das Bild zahlreicher Dörfer. In Burg, Lehde, Leipe und Straupitz stehen noch originale Blockbohlenhäuser, oft verbunden mit Stall ­und Scheune als Drei-Seiten-Hof.

Heute werden viele dieser Häuser als Ferienwohnungen genutzt – zum Beispiel die „Spreewald­typischen Blockbohlenhäuser“ am Wasser, die Gästen direkt an den Fließen Übernachtungen bieten.

Nur noch wenige beherrschen das Handwerk. Sie bauen oder rekonstruieren mit alten Techniken diese Blockbohlenhäuser. Im Freilandmuseum Lehde kannst du live miterleben, wie diese Bauweise entstand und warum sie bis heute so faszinierend ist. So bleibt das Spreewaldhaus ein wichtiger Teil der Spreewald Region.

Spreewaldhaus mit Reetdach am Wasser in Lehde. Maiskolben sind aufgehangen.