Blauflügel Prachtlibelle auf einer gelben Teichrose

Foto: Spreewald Info

Libellen im Spreewald

Libellen fallen im Spreewald auf, weil sie immer genau im richtigen Moment auftauchen. Du stehst am Fließ, schaust aufs Wasser, und plötzlich hängt da etwas in der Luft. Farben, die man so eigentlich nur von Edelsteinen kennt. Blau, Grün, Rot, manchmal fast schimmernd. Dann setzt sie sich kurz, oft auf ein Seerosenblatt oder einen Halm, und ist genauso schnell wieder weg.

Der Spreewald ist für Libellen ein Glücksfall. Verzahnte Fließe, ruhige Gräben, Altarme, nasse Wiesen und dichte Ufervegetation – all das brauchen sie. Und genau diese Mischung ist hier noch großflächig vorhanden. Deshalb gehört das Gebiet zu den libellenreichsten Landschaften Brandenburgs.

Libellen sind dabei mehr als schöne Begleiter. Sie zeigen, wie gesund ein Gewässer ist. Wo sie fliegen, stimmt meist auch das Zusammenspiel aus Wasser, Pflanzen und Ruhe. Und genau das spürst du hier – ganz ohne Hinweisschild.

Blauflüglige Prachtlibelle auf einem grünen Seerosenblatt

Warum der Spreewald so viele Libellen hat

Libellen brauchen genau das, was der Spreewald im Überschuss hat:
sauberes, langsam fließendes Wasser, strukturierte Ufer mit Pflanzen zum Sitzen und Jagen, und nach Möglichkeit wenig Störung. Durch das verzweigte Netzwerk von Fließen, Gräben und Stillgewässern entsteht ein Mosaik aus sonnigen und schattigen Bereichen, flachen Pionierzonen und dicht bewachsenen Uferbereichen – und genau darin fühlen sich Libellenlarven wie ausgewachsene Tiere wohl.

Tatsächlich wurde im Spreewald nachgewiesen, dass 52 der 69 in Brandenburg bekannten Libellenarten hier vorkommen – also rund drei Viertel der regional möglichen Arten. Dies ist ein sehr hoher Wert für ein einzelnes Gebiet und zeigt, wie viele unterschiedliche Lebensräume hier auf engem Raum zusammenkommen.

Für dich als Beobachter heißt das: Du musst kein Spezialgebiet aufsuchen, um Libellen zu sehen. Wer sich im Spreewald an den Wasserfronten bewegt – beim Paddeln, im Kahn oder am Ufer – begegnet diesen farbenfrohen Flugkünstlern fast automatisch. Sie gehören hier einfach dazu, wie Lichtreflexe auf dem Wasser oder das leise Summen am Ufer.

Libellen bei der Paarung auf einem Schilfblatt

Wie Libellen hier leben

Was man leicht vergisst: Der größte Teil eines Libellenlebens spielt sich unsichtbar ab. Die Larven leben im Wasser – oft ein, zwei oder sogar mehrere Jahre. Sie sitzen zwischen Wasserpflanzen, im Schlamm oder an Pflanzenstängeln und sind dort kleine, effiziente Jäger. Erst wenn alles passt – Temperatur, Wasserstand, Jahreszeit – klettern sie aus dem Wasser.

Dieser Moment ist unspektakulär und gleichzeitig erstaunlich: Die Larve verlässt ihre Hülle, die Flügel entfalten sich, und aus dem Wasserinsekt wird ein flugfähiges Tier. Danach beginnt die kurze, intensive Zeit über dem Wasser. Jagen, fliegen, sich paaren, sitzen, wieder fliegen.

Im Spreewald sieht man Libellen oft im „Schwebeflug“. Sie stehen förmlich in der Luft, kontrollieren ihr Revier oder patrouillieren entlang der Ufer. Andere sitzen ruhig auf Seerosen oder Halmen. Beides gehört dazu – Bewegung und Pause, ganz ohne Hast.

Libelle auf einer geschlossenen gelben Teichrose

Wo du Libellen besonders gut beobachten kannst

Die besten Orte für Libellen sind keine geheimen Spots, sondern ruhige Wasserbereiche. Gräben mit Pflanzen am Rand, sonnige Fließabschnitte, Teiche mit Seerosen – überall dort tauchen sie auf. Besonders gut lassen sie sich beobachten, wenn du nicht direkt am Wasser stehst, sondern ein paar Schritte Abstand hältst.

Besonders schön ist die Beobachtung vom Wasser aus. Bei einer Kahnfahrt oder im Paddelboot gleitest du ruhig durch ihr Revier. Genau diese gleichmäßige Bewegung stört sie kaum – viele Libellen fliegen nebenher, setzen sich kurz ans Ufer oder ruhen auf Schwimmblättern. Auch bekannte Wege wie der Libellenpfad bei Raddusch zeigen, wie nah man ihnen kommen kann, wenn Umgebung und Tempo stimmen.

Die beste Zeit ist zwischen Mai und September, besonders an warmen, windstillen Tagen. Morgens und am frühen Abend sitzen viele Libellen ruhiger. Dann hast du gute Chancen, sie nicht nur als Farbblitz, sondern als echtes Tier wahrzunehmen.

Bitte langsam – Libellen brauchen Ruhe

Libellen wirken robust, sind aber empfindlich. Sie reagieren auf Veränderungen im Wasserstand, auf verschlammte Gräben und auf fehlende Pflanzen. Auch ständige Störung macht ihnen zu schaffen. Gerade in der Paarungs- und Eiablagezeit brauchen sie ruhige Bereiche, in denen sie nicht ständig aufgescheucht werden.

Für dich heißt das nicht „auf Abstand bleiben“, sondern achtsam sein. Nicht durchs Schilf laufen. Keine Pflanzen aus dem Wasser ziehen. Nicht versuchen, sie anzufassen oder mit schnellen Bewegungen zu „verfolgen“. Libellen lassen sich am besten erleben, wenn man sie nicht zu etwas machen will.

Wenn du ihnen Raum lässt, kommen sie oft von selbst näher. Und dann passiert dieser typische Spreewald-Moment: Eine Libelle setzt sich direkt vor dir auf ein Blatt, das Wasser ist ruhig – und für einen kurzen Augenblick passt alles.

Libelle im Schilf
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Müllkahn der ALBA unterwegs in Lehde bei der Müllabfuhr. Auf de Aluminiumkahn stehen 2 blau Mülltonnen. Im Hintergrund die Brücke in Lehde am Freilandmuseum Lehde.

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Brandenburg: Gesamtartenliste der Libellen (69)

Gebänderte Prachtlibelle, Blauflügel-Prachtlibelle, Südliche Binsenjungfer, Glänzende Binsenjungfer, Gemeine Binsenjungfer, Kleine Binsenjungfer, Gemeine Weidenjungfer, Gemeine Winterlibelle, Sibirische Winterlibelle, Scharlachlibelle, Speer-Azurjungfer, Mond-Azurjungfer, Helm-Azurjungfer, Vogel-Azurjungfer, Hufeisen-Azurjungfer, Fledermaus-Azurjungfer, Gemeine Becherjungfer, Pokaljungfer, Großes Granatauge, Kleines Granatauge, Große Pechlibelle, Kleine Pechlibelle, Zwerglibelle, Frühe Adonislibelle, Blaue Federlibelle, Südliche Mosaikjungfer, Blaugrüne Mosaikjungfer, Braune Mosaikjungfer, Keilfleck-Mosaikjungfer, Torf-Mosaikjungfer, Herbst-Mosaikjungfer, Hochmoor-Mosaikjungfer, Grüne Mosaikjungfer, Schabracken-Königslibelle, Große Königslibelle, Kleine Königslibelle, Früher Schilfjäger, Asiatische Keiljungfer, Gemeine Keiljungfer, Kleine Zangenlibelle, Grüne Flussjungfer, Zweigestreifte Quelljungfer, Falkenlibelle, Zweifleck, Arktische Smaragdlibelle, Gefleckte Smaragdlibelle, Glänzende Smaragdlibelle, Feuerlibelle, Östliche Moosjungfer, Zierliche Moosjungfer, Kleine Moosjungfer, Große Moosjungfer, Nordische Moosjungfer, Plattbauch, Spitzenfleck, Vierfleck, Östlicher Blaupfeil, Südlicher Blaupfeil, Großer Blaupfeil, Kleiner Blaupfeil, Schwarze Heidelibelle, Sumpf-Heidelibelle, Gefleckte Heidelibelle, Frühe Heidelibelle, Südliche Heidelibelle, Gebänderte Heidelibelle, Blutrote Heidelibelle, Große Heidelibelle, Gemeine Heidelibelle.

Quelle: Anhang „Gesamtartenliste“ in „Rote Liste der Libellen des Landes Brandenburg 2016“

Spreewald: nachgewiesene Arten (52)

Gebänderte Prachtlibelle, Blauflügel-Prachtlibelle, Südliche Binsenjungfer, Glänzende Binsenjungfer, Gemeine Binsenjungfer, Kleine Binsenjungfer, Gemeine Weidenjungfer, Gemeine Winterlibelle, Speer-Azurjungfer, Mond-Azurjungfer, Hufeisen-Azurjungfer, Fledermaus-Azurjungfer, Gemeine Becherjungfer, Großes Granatauge, Kleines Granatauge, Große Pechlibelle, Kleine Pechlibelle, Frühe Adonislibelle, Blaue Federlibelle, Südliche Mosaikjungfer, Blaugrüne Mosaikjungfer, Braune Mosaikjungfer, Keilfleck-Mosaikjungfer, Torf-Mosaikjungfer, Herbst-Mosaikjungfer, Grüne Mosaikjungfer, Große Königslibelle, Kleine Königslibelle, Kleine Mosaikjungfer, Asiatische Keiljungfer, Gemeine Keiljungfer, Grüne Flußjungfer, Zweigestreifte Quelljungfer, Gemeine Smaragdlibelle, Gefleckte Smaragdlibelle, Glänzende Smaragdlibelle, Feuerlibelle, Große Moosjungfer, Nordische Moosjungfer, Plattbauch, Spitzenfleck, Vierfleck, Großer Blaupfeil, Kleiner Blaupfeil, Schwarze Heidelibelle, Sumpf-Heidelibelle, Gefleckte Heidelibelle, Frühe Heidelibelle, Gebänderte Heidelibelle, Blutrote Heidelibelle, Große Heidelibelle, Gemeine Heidelibelle.

Quelle: „Libellenflugzeiten-Kalender im Biosphärenreservat Spreewald“, Liste 1–52

PDF: Libellenarten in Brandenburg und im Spreewald, Stand 2016