Foto: Spreewald-Info.de
Brücken im Spreewald
Im Spreewald verbindet ein dichtes Netz aus Fließen und Kanälen unzählige und Radwege. Damit Radfahrer und Fußgänger überall sicher ans andere Ufer gelangen, wurden über Jahrhunderte verschiedenste Brückenlösungen entwickelt.
Die einfachsten Holzbohlenstege, oft „Spreewaldbänke“ genannt, führen auf schmalen Pfählen über ruhige Wasserläufe, während aufwendigere Stufenbrücken Zugang zu erhöhten Uferwegen bieten. In den letzten Jahren kamen auch barrierearme Holzbogen- und Dreiseitenbrücken hinzu, die modernste Technik mit traditioneller Optik verbinden. Ob historischer Steg am Lehder Fließ oder neue Fußgängerbrücke zwischen Schlossinsel und SpreeLagune – jede Brücke erfüllt heute die doppelte Aufgabe, das Kulturerbe des Biosphärenreservats zu bewahren und nachhaltige Mobilität zu ermöglichen.
Holzbrücken und Radschienen
Die typischen Spreewaldbänke sind schmale Holzbohlenstege mit nur einem Geländer, die über kleinste Fließe führen. Viele dieser Stege verfügen an einer Seite über eine eingearbeitete Radschiene – eine flache Nut oder ein schmaler Holzkeder –, auf dem Radfahrer ihr Fahrrad mühelos über die Brücke schieben können.
Die Bohlen ruhen auf einfachen Eichen- oder Kiefernpfählen, sind mit Rundholzgeländern gesichert und werden regelmäßig vom Wasser- und Bodenverband gepflegt. Wo keine Uferwege für Kähne bestehen, ersetzten sie früher provisorische Planken oder kleine Fähren. Heute sind sie fester Bestandteil des Radroutennetzes und erlauben spontane Abkürzungen abseits asphaltierter Wege.
Stufenbrücken als Dreiseitenbrücken
Besondere Lösungen sind die Stufen- oder Dreiseitenbrücken, die in Touristenorten wie Lehde über mehrere Fließe führen. Ein aktuelles Beispiel ist die neue Stufenbrücke über den Hecht- und Lehder Graben, auch „Dreiseitenbrücke am Fröhlichen Hecht“ genannt. Sie wurde Anfang 2025 auf Betonpfählen errichtet, erhielt eine Stahltragkonstruktion und eine äußere Holzverkleidung, um sich harmonisch ins historische Ortsbild einzufügen.
Diese mehrteiligen Stege verfügen an beiden Enden Treppenstufen, da sie höheres Ufergelände überspannen, und bieten breitere Standflächen, auf denen Radfahrer ihr Fahrrad abstellen können. Die Montage erfolgt meist modular, um Eingriffe in die sensiblen Uferbereiche zu minimieren.
Historische Entwicklung
Holzbrücken im Spreewald haben eine lange Tradition: Schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigen Fotografien einfache Bohlenübergänge, die aus lokalen Hölzern gebaut wurden.
Ursprünglich waren es provisorische Planken, die Störche zogen heimlich durch die Siedlungen; erst mit dem Ausbau des Ackerbaus und der verstärkten Flecht- und Kahnwirtschaft entstanden dauerhafte Stege. In Burg und Lehde wurden im 18. Jahrhundert erste Pfahlstege dokumentiert, die einfache Lastkähne ersetzten. Mit der Gründung des Biosphärenreservats 1991 begann eine systematische Instandhaltung und der behutsame Ersatz durch moderne Varianten, die heutige Anforderungen an Tragfähigkeit und Umweltfreundlichkeit erfüllen.
Bauarten und Materialien
Die einfachsten Spreewaldbänke bestehen aus imprägnierten Kiefernbrettern auf geschälten Eichenpfählen, mit Rundholzgeländern aus Erle oder Weide.
Stufen- bzw. Dreiseitenbrücken nutzen oft Betonpfähle für Fundamentstabilität und eine tragende Stahlkonstruktion, die mit heimischem Eichenholz verkleidet wird.
Aufwendige Holzbogenbrücken, wie die 107 m lange Fußgängerbrücke zur SpreeLagune, verwenden Brettschichtholz in Bogenform und Edelstahlbeschläge für eine lange Lebensdauer. Alle Bauweisen achten auf geringen Eingriff in den Wasserhaushalt: Pfähle werden per Rammverfahren gesetzt, Brückenelemente vorgefertigt und am Stück eingebracht. So verbinden die Spreewaldbrücken Tradition, Umweltverträglichkeit und moderne Technik.