Foto: Spreewald Info
Ostertraditionen und Bräuche im Spreewald
Zwischen Wachs, Wasser & Wünschen
Im Spreewald ist Ostern mehr als ein Feiertag. Traditionell ruhten am Karfreitag alle Arbeiten. An diesem Tag ging man zum Kirchgang und es war Zeit für das Ostereier bemalen.
Das Osterfest gehört zu den ältesten christlichen Festen im Jahr. Auch im Spreewald ist es eng mit sorbischen und wendischen Bräuchen verknüpft. Gleichzeitig jedoch ist es hier ein Frühlingsfest. Denn die lange Winterzeit ist nun beendet und es kann mit der Aussaat begonnen werden.
Zu den sorbischen Osterbräuchen im Spreewald gehört natürlich das Ostereierverzieren mit Wachs. Doch auch das Waleien und die wendischen Osterreiter sind feste Traditionen rund um Ostern im Spreewald.
Diese Bräuche sind keine Show. Sie gehören zum Leben. Und genau das macht sie so besonders.
Ostersingen & Kirchgang
Das Ostersingen gehört zu den ältesten Traditionen rund um Ostern im Spreewald, welches zu den christlichen Festen gehört.
Früher trafen sich die Mädchen aus der Spinnstube in der Nacht am Ostersonnabend, um singend bis zum Sonnenaufgang des ersten Feiertages, also dem Ostersonntag, durch das Dorf zu ziehen. Ihre Lieder verkündeten die Auferstehung Christi. Zu diesem Osterbrauch trugen die Frauen ihre Kirchgangstracht. Bis zu viermal machten die singenden Frauen Halt in den Höfen. Hier gab es zur Stärkung duftenden Kaffee und frischen Kuchen.
Heute wird das traditionelle Ostersingen nicht mehr praktiziert. Mit dem heutigen Ostersingen an Karfreitag und Ostersonntag in den Kirchen wird an das "alte" Ostersingen erinnert.
Ostersingen
Osterreiten im Spreewald
Am Ostersonntag zieht das stille Prozessionsreiten, auch Osterreiten genannt, durch die Spreewalddörfer des Zerkwitzer Pfarrsprengels. Festlich in Schwarz-Weiß-Trachten gekleidet, sitzen Reiter und Reiterinnen hoch zu Roß in Frack und Zylinder oder Kragenrock und tragen bunt geschmückte Hoffnungssträuße mit sich. Die etwa 30 Kilometer lange Route führt in gemächlichem Schritt durch Klein Beuchow, Groß Beuchow, Klein Radden, Ragow und Krimnitz zurück nach Zerkwitz.
An einzelnen Stationen wird das Evangelium verlesen, Gebete gesprochen und Kirchenlieder angestimmt. Ursprung und Wiederbelebung gehen auf Pfarrer Michael Oelmann zurück, der das Ritual nach der Reformationszeit erneut einführte. Heute ist das Osterreiten nicht nur ein spirituelles Ereignis, sondern zieht Besucher an, die dem Klang von Pferdehufen lauschen. Infos zu Terminen und Mitreitmöglichkeiten erteilt die Tourist-Info Lübbenau.
Osterreiten
Ostereier verzieren
Wer Ostereier nach sorbischer Art bemalen möchte, findet hier Anleitungen verschiedener Wachstechniken sowie der Kratztechnik. Die Wachsmaltechnik der sorbischen Ostereier erfordert ein wenig Geduld. Doch hat man den Bogen erst einmal raus, entstehen einmalige Unikate dieser schönen Ostereier.
Für Anfänger eignet sich die Bossiertechnik der sorbischen Ostereier. Hier entstehen die Muster nur mittels buntem Wachs, das Ei wird nicht gefärbt. Ein wenig schwerer ist die Batiktechnik oder auch Wachsreservetechnik genannt. Als einfarbige Wachstechnik ist diese Technik optimal für den Einstieg, denn das Ei wird nur mit einer Farbe gefärbt.
Wer Ostern im Spreewald unterwegs ist, kann in Museen und Werkstätten die einmalig schönen Ostereier bewundern.
Ostereier verzieren
Waleien
Beim Waleien - Walkowanje - rollen im Spreewald bunt bemalte Eier über eigens aufgeschüttete Bahnen – ein Fruchtbarkeitszauber, der Kinder und Erwachsene von Ostern an begeistert. Anders als beim klassischen Eierrollen wird keine Grube gegraben, sondern eine Walka aus Feldlehm oder Sand aufgeschüttet, die am hinteren Ende 30–40 cm tief absinkt.
Auf dieser abschüssigen Bahn lassen Teilnehmende ihre mit Wachs oder Kratztechnik verzierten Eier gegen Ziele oder gegnerische Eier kullern: Wer trifft, darf das getroffene Ei behalten. Ursprünglich sollte so das Wachstum der Saaten im Frühjahr gefördert werden, heute ist es ein fröhliches Spiel für Familien.
In Lübben an der Schlossinsel rufen Gastgeber zum Waleien und locken Besucher mit regionalen Gurkensnacks.
Waleien
Das Osterfeuer
Das Osterfeuer - sorbisch Jatšowny - wogeń im Spreewald ist ein uralter Frühlingsbrauch, der am Ostersamstag in mehr als hundert Dörfern wie Müschen, Raddusch und Burg-Kauper lebendig bleibt.
Holzstapel, Reisig und Obstbaumverschnitt türmen sich zu hohen Feuerhaufen auf, die von Dorfburschen über Wochen gehütet werden. In der Osternacht entzündet man sie feierlich unter Trommelschlägen und Glockengeläut. Der lodernde Schein soll Wintergeister vertreiben, Feld und Flur fruchtbar machen und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit verkünden.
Wer mutig hindurchspringt, sichert sich Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Bereits am Samstag treffen sich Einheimische und Gäste zu Lagerfeuer, Andachten und Gesang, bevor die Flammen um Mitternacht emporzucken.
Osterchöre und Kinderreigen um das Feuer runden die stimmungsvolle Zeremonie ab.
Osterfeuer
Ostersemmel und andere Geschenke
Jedes Jahr am Ostersonntag oder Ostermontag gingen die Kinder zu ihren Taufpaten, um sich die Ostersemmel nebst 3 Ostereiern, einem Pfefferkuchen, einer kleinen Fastenbrezel und einer Tasse oder einem Tuch zu holen. Ein Osterbrauch, den sich kein Kind entgingen ließ.
Die Ostersemmel in Burg hat eine besondere Form. Sie ist einem Spreewaldkahn ähnlich und ungefähr 40 bis 50 cm lang, 20 cm breit und 2 cm dick. Doch eigentlich symbolisiert sie ein Palmenblatt.
In anderen Spreewalddörfern gibt es zu Ostern ein anderes Gebäck. Die Ostersemmel wird aus drei Teigsträhnen geflochten und symbolisiert so die Heilige Dreifaltigkeit. Es ist eher ein Osterzopf.
Das flache Weizenmehlgebäck aus Burg im Spreewald wurde gewöhnlich schon 8 bis 14 Tage vorher gebacken. Man ließ sie hart werden und stippte sie dann in gesüssten Kaffee oder Milch.
Ostersemmel
Das Osterwasser
Was ist eigentlich dieses geheimnisvolle Osterwasser?
Noch bis in die 50iger Jahre schöpften Mädchen und Frauen in der Nacht vom Samstag zum Ostersonntag das Osterwasser mit einem Tonkrug aus einem Fließ im Spreewald, das aus östlicher Richtung, also vom Sonnenaufgang her, floss.
Leider kann man diese Tradition zu Ostern im Spreewald nicht mehr beobachten.
Das Osterwasserholen unterschied sich im Spreewald von Ort zu Ort. In manchen Orten holten nicht die jungen und verheirateten Mädchen das Osterwasser, sondern die Mütter. In einem Dorf trugen die Mädchen die einfache, aber bessere Arbeitskleidung. In anderen Dörfern wurde eher eine festliche Tracht getragen. So unterschiedlich wird dieser Osterbrauch begangen.
Osterwasser