Das Osterwasser
Was ist dieses geheimnisvolle Osterwasser?
Noch bis in die 1950er Jahre schöpften junge Frauen in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag schweigend Wasser aus einem Fließ. Dieses Osterwasser im Spreewald musste aus östlicher Richtung, also vom Sonnenaufgang her, fließen.
Nachdem der Brauch fast in Vergessenheit geraten war, beleben engagierte Mädchen und Frauen diese Tradition zu Ostern im Spreewald heute wieder neu.
Regionale Unterschiede beim Osterwasserholen
Der Brauch wurde im Spreewald von Ort zu Ort unterschiedlich begangen.
Diese Vielfalt zeigt sich vor allem bei den Beteiligten und der Kleidung:
Wer holte das Wasser?
In einigen Dörfern waren es traditionell die jungen, unverheirateten Mädchen. In anderen Orten übernahmen die Mütter diese Aufgabe.
Die Tracht variierte:
Mancherorts trugen die Frauen einfache, aber feine Arbeitskleidung. In anderen Dörfern war das Anlegen der festlichen Spreewaldtracht Pflicht.
Osterwasser mit heilenden Kräften
Das Osterwasser diente zu Heilzwecken bei Menschen und Tieren. So wurde das Vieh mit Osterwasser besprengt, damit Krankheiten fern gehalten werden.
Aber auch der Glaube an Reinheit und Schönheit durch das Wasser trieb die Mädchen des Nachts raus an das Wasser. Hals und Gesicht wurden mit dem Wasser gewaschen, denn das Osterwasser verlieh der Trägerin Schönheit und Frische für ein ganzes Jahr.
Damit das gesamte Jahr dieses Heilwasser zur Verfügung stand, wurde der Tonkrug mit dem Osterwasser im kalten Keller aufbewahrt. So verdirbt das Osterwasser nie.
Wehe, wenn ... !
Auf dem Hin- und Rückweg mußten die Mädchen schweigen, sonst verlor das Wasser seine Wirkung. Wer das Schweigegebot verletzte, hatte nur Plapperwasser und wurde ausgelacht. Das Osterwasser verlor völlig seine Wirkung!
Die Jungen des Dorfes versuchten die Mädchen auf dem Rückweg mit Erschrecken oder Scherzen zum Sprechen zu bewegen. Die Mädchen konterten dann mit einem kühlen Guss aus dem Tonkrug.
Gefror das Wasser, so konnte man am Eis das Leiden Christi erkennen.











